Kohlstattbrunn – versteckter Wallfahrtsort im Wald bei Grainet
Tief im Wald zwischen Hobelsberg und Duschlberg, oberhalb von Grainet im unteren Bayerischen Wald, liegt der kleine Wallfahrtsort Kohlstattbrunn. Wer den Kapellenweg oder den Zuweg zum Goldsteig nimmt, steht nach wenigen Kilometern plötzlich auf einer Lichtung: Zwei Kapellen – eine gemauerte Steinkapelle und eine kleinere hölzerne Kapelle – gruppieren sich um eine Quelle, den Kohlstattbrunnen, der dem Ort seinen Namen gegeben hat.[sehenswerter-bayerischer-wald]
Die Wallfahrt nach Kohlstattbrunn geht auf das Jahr 1753 zurück. Damals, so erzählt die Überlieferung, war der Häusler Lorenz Seidl aus Frauenberg an einem Sonntag im September auf dem Weg zur Pfarrkirche nach Grainet. Unterwegs entdeckte er einen Hasen, verfolgte ihn lange mit der Flinte – und verpasste darüber fast den Gottesdienst. Aus Zorn verfluchte er das Tier. Plötzlich hielt er einen kohlschwarzen Hasen mit feurigen Augen unter dem Arm – in der Sage wird er als Teufelsgestalt gedeutet.sagen+1
Vor Schreck fiel Seidl an einer Quelle auf die Knie, flehte Jesus und Maria um Vergebung an – und der schwarze Hase verschwand. Aus Dankbarkeit über seine Rettung ließ er an dieser Stelle eine kleine Holzkapelle errichten. Ein Votivbild mit der Überschrift „Ursprung der Wallfahrt Kohlstattbrunn“ überliefert diese Geschichte bis heute und hängt in der Kapelle.waidla-landhotels+1
Aus der bescheidenen Waldkapelle entwickelte sich im Lauf der Zeit ein vielbesuchter Marienwallfahrtsort. Die ursprüngliche hölzerne Kapelle wurde 1828 um eine weitere Kapelle ergänzt und 1895 schließlich durch einen Steinbau ersetzt. Die Quelle neben der Kapelle, der Kohlstattbrunnen, wurde bereits im 18. Jahrhundert von Wallfahrern aufgesucht; das frische Quellwasser galt besonders für Augen‑ und Halskranke als heilkräftig.module.tourinfra+2
Den Höhepunkt des Wallfahrtsjahres bildet bis heute das Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August. Dann strömen mehrere Tausend Pilger aus der näheren und weiteren Umgebung nach Kohlstattbrunn, wo im Freien ein feierlicher Gottesdienst stattfindet. Musikalisch gestaltet wird die Feier traditionell von der Blaskapelle Grainet, dem Männerchor und der Stubenmusik, bevor im nahegelegenen Gschwendet ein Waldfest anschließt.austrobayer+1
Auch abseits der großen Wallfahrtstage lohnt sich ein Besuch. Von Grainet führt ein markierter Wanderweg über Hobelsberg als Kreuzweg mit 14 Granitsäulen und farbigen Ölbild-Darstellungen des Leidenswegs Jesu zur Kapelle im Wald. Wer eine größere Runde gehen möchte, kann die Rundtour Grainet – Kohlstattbrunn – Schwedenschanze – Grainet wählen (etwa 2,5 Stunden Gehzeit, rund 200 Höhenmeter). Der Übergang von der offenen Kulturlandschaft zur stillen Waldlichtung bei den Kapellen macht einen großen Teil des Reizes dieses Ortes aus.xn--schner-bayerischer-wald-9kc+2
Kohlstattbrunn vereint damit Sage und Volksfrömmigkeit, Waldidylle und lebendige Tradition. Der kleine Wallfahrtsort ist kein monumentales Heiligtum, sondern eher ein stiller Kraftplatz am Wegesrand – und gerade dadurch typisch für den Bayerischen Wald und seine verwurzelte Kapellenkultur.









