Endlich offiziell: Der Grenzweg oberhalb von Schmilka ist frei
Es gibt Nachrichten, über die man sich doppelt freut – einmal als Wanderer, und einmal als jemand, der einen gewissen persönlichen Bezug zu dieser Sache hat. Die Eröffnung des neuen grenzüberschreitenden Wanderweges zwischen Schmilka und Hřensko am 11. April 2026 ist so eine Nachricht.
Denn diesen Weg kenne ich. Sehr gut sogar. Und unter etwas anderen Umständen, als es die offizielle Eröffnungsfeier suggeriert.
Ein Weg, den wir schon kannten – bevor wir ihn kennen durften
Es war vor einigen Jahren. Der Grenzweg oberhalb von Schmilka lag damals noch tief im gesperrten Kerngebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz, ausgewiesen als Brutgebiet des Uhus, für Wanderer offiziell tabu. Wir sind ihn trotzdem gegangen. Nicht aus Ignoranz, sondern weil dieser Weg einfach zu schön, zu still und zu naheliegend war, um ihn zu ignorieren. Ein alter Pfad, den Jahrzehnte lang DDR-Grenzsoldaten patrouilliert hatten, und der in der Landschaft liegt, als wäre er schon immer für Menschen gedacht gewesen.
Was dann folgte, war weniger romantisch: Die Nationalparkwächter fanden uns. Das Bußgeldverfahren, das sich daraus entwickelte, war unangenehm genug, um einen Rechtsanwalt einzuschalten. Dieser verfasste daraufhin ein Schreiben, das weniger Verteidigungsschrift als vielmehr ein ausführliches Plädoyer für die Öffnung genau dieses Weges war – sachlich, naturkundlich fundiert, mit dem Argument, dass harmlose Wanderer einem Uhu-Brutgebiet keinen ernsthaften Schaden zufügen. Am Ende wurden wir tatsächlich als das eingestuft, was wir waren: harmlose Wanderer, die dem Uhu keinen nachweisbaren Schaden zugefügt hatten. Das Verfahren verlief im Sande.
Ich gestehe: Ich habe diese Geschichte seitdem mit einem leisen Schmunzeln erzählt.
Jetzt ist er offiziell offen – und das zu Recht
Am 11. April 2026 schnitten der tschechische Umweltminister Igor Červený und der sächsische Staatssekretär Ulrich Menke gemeinsam das Band zur Eröffnung durch – im Tal der Dürren Biele (Suchá Bělá) auf böhmischer Seite, dem schönen Ende des neuen Weges. Der Weg trägt nun den Namen „Weg zur Ruhe" und verbindet auf knapp drei Kilometern den Grenzweg oberhalb von Schmilka mit dem Eingang zum Tal Suchá Bělá bei Hřensko. Er ist der fünfte grenzübergreifende Wanderweg zwischen den beiden Nationalparks – und meiner persönlichen Meinung nach der schönste.
Der überwiegende Teil der Route verläuft auf tschechischem Gebiet, führt hinauf zum Langen Horn (Dlouhý roh) und dann hinunter ins wildromantische Tal der Dürren Biele. Auf sächsischer Seite mündet er in den altbekannten, gelb markierten Grenzweg am Hang des Großen Winterbergs. Die An- und Abreise ist mit der S-Bahn bis Schmilka-Hirschmühle oder Schöna möglich, die Buslinie 435 bringt Wanderer stündlich zurück zum Ausgangspunkt.
Ein Weg mit Geschichte – und nicht nur Naturgeschichte
Was mich an diesem Weg seit jeher fasziniert, ist seine Schichtung. Er war kein Forstweg und kein Wanderweg, er war ein Grenzweg – angelegt und begangen von Grenzsoldaten, die hier ihren Dienst taten, mit Blick auf die Felsen und die Elbe tief unten. Das hat etwas. Ein Weg, der aus einem politischen System stammt, das Grenzen als Bedrohung empfand, ist heute eine Einladung zur Begegnung zwischen zwei Nationalparks, zwei Ländern, zwei Wandertraditionen.
Und ein Uhu-Brutgebiet, das Jahrzehnte lang als Argument gegen Wanderer ins Feld geführt wurde, hat die Öffnung offenbar überlebt. Ich gönne dem Uhu seine Ruhe – aber ich gönne den Wanderern diesen Weg.
Praktisches
- Streckenlänge: ca. 3 km (Bergpfad-Charakter)
- Startpunkt: Eingang Tal Suchá Bělá bei Hřensko
- Endpunkt: Grenzweg oberhalb von Schmilka
- Anreise: S-Bahn bis Schmilka-Hirschmühle oder Schöna, dann Fähre
- Rückfahrt: Buslinie 435 im Stundentakt
- Weiterführende Ziele: Aussichtsplattform „Fénix" bei Mezná, Prebischtor, Weg zur Wildnis (Reitsteig)
Wer die Sächsische Schweiz kennt und liebt, sollte diesen Weg nicht verpassen. Er ist still, er ist schön, und er ist – endlich – legal.